Lässt sich beschädigte Emaille reparieren?
Emaille ist eines der schönsten und eines der unversöhnlichsten Materialien im Schmuck. Ein Schaden ist meist endgültig, und das bestimmt sowohl die Pflege als auch den Wert.
Bild: KI-erzeugtNur eingeschränkt. Ein Sprung lässt sich nicht unsichtbar schließen, weil Emaille bei 750 bis 850 Grad eingebrannt wird und das Metall darunter diese Hitze meist nicht unbeschadet übersteht.
Warum eine Reparatur so schwierig ist
Emaille ist Glasfluss, der in mehreren Schichten aufgetragen und bei 750 bis 850 Grad eingebrannt wird. Um eine Fehlstelle zu ergänzen, müsste das Stück erneut auf diese Temperatur gebracht werden. Dabei würden Lötstellen aufgehen, Steine zerstört und angrenzende Emailfelder verändert. Bei einem einfachen, vollständig emaillierten Anhänger ohne Steine ist eine Neubrennung denkbar, bei einem zusammengesetzten Schmuckstück praktisch nicht.
Was stattdessen gemacht wird
Kleine Fehlstellen werden mit Kaltemail gefüllt, also mit einem eingefärbten Kunstharz. Das ist eine Ausbesserung, keine Wiederherstellung: Der Glanz unterscheidet sich, die Härte ebenfalls, und mit den Jahren kann die Füllung vergilben. Für ein Gebrauchsstück ist das eine brauchbare Lösung, für ein Sammlerstück mindert es den Wert zusätzlich, weil es als spätere Veränderung gilt.
Wie Schäden entstehen
Durch Stöße, weil Emaille hart, aber spröde ist. Durch Temperaturwechsel, etwa heißes Wasser auf ein kaltes Stück. Durch Verformung des Trägers: Wird ein emaillierter Ring geweitet, springt die Fläche zuverlässig. Und durch Ultraschall, der vorhandene Haarrisse öffnet. Deshalb gilt für emaillierte Stücke dieselbe Regel wie für Perlen: kein Bad, kein Dampf, keine Hitze.
Die richtige Pflege
Ein weiches, leicht feuchtes Tuch. Bei stärkerer Verschmutzung lauwarmes Wasser mit einem Tropfen mildem Spülmittel, kurz, und sofort trocknen. Keine Bürste auf der Emailfläche, kein Poliermittel, keine Silberpaste, denn Schleifkörper mattieren die Oberfläche. Aufbewahrt wird getrennt und weich gepolstert, weil harte Nachbarn Schläge übertragen.
Was das für den Wert bedeutet
Bei antiken Stücken ist unversehrte Emaille ein wesentlicher Wertfaktor. Ein Sprung kann den Wert halbieren, mehrere Fehlstellen ihn auf den Materialwert drücken. Deshalb wird bei Bewertungen immer mit der Lupe auf Haarrisse geprüft, und deshalb sollten solche Stücke besonders vorsichtig transportiert werden, am besten einzeln in einer gepolsterten Schachtel.
Ein Sturz zerstört das Zifferblatt zuverlässig, und Ersatz ist bei alten Uhren kaum zu beschaffen. Wer eine solche Uhr besitzt, sollte sie nicht täglich tragen und beim Uhrmacher ausdrücklich darauf hinweisen, damit beim Öffnen entsprechend vorsichtig gearbeitet wird. Auch beim Transport zur Werkstatt gehört sie gepolstert verpackt.
Vor jedem Eingriff an einem emaillierten Stück lohnt die Frage, ob die Arbeit ohne Hitze möglich ist. Lässt sie sich nicht vermeiden, sollte vorher besprochen werden, was mit der Emailfläche geschieht, denn danach ist die Entscheidung gefallen. Mit einer Lupe bei 10-facher Vergrößerung und schräg einfallendem Licht. Haarrisse zeigen sich als feine Linien, die das Licht anders brechen als die glatte Fläche. Abplatzungen beginnen fast immer an Kanten und an Übergängen zum Metall. Ein leichtes Antippen mit dem Fingernagel klingt bei intakter Emaille hell, bei unterwanderten Stellen dumpfer. Wer ein antikes Stück kauft, sollte diese Prüfung vor der Zahlung machen.
Zur Einordnung: Eine Ausbesserung mit Kaltemail kostet je Stelle 40 bis 150 Euro, eine Neubrennung ist bei zusammengesetzten Stücken praktisch ausgeschlossen, weil dafür wieder 750 bis 850 Grad nötig wären.
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
- § 631 BGB, Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag (Gesetze im Internet)