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Juwelier · Recht & Pflicht

Wie viel Nickel darf ein Schmuckstück abgeben?

Nickelallergie ist die häufigste Kontaktallergie in Europa. Die Regelung setzt deshalb nicht am Gehalt an, sondern an der Menge, die tatsächlich an die Haut abgegeben wird.

Wie viel Nickel darf ein Schmuckstück abgeben?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Für Ware mit längerem Hautkontakt gilt eine Freisetzungsgrenze von 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche, bei gestochenen Ohrlöchern 0,2. Maßgeblich ist nicht der Nickelgehalt, sondern was die Haut aufnimmt.

Freisetzung statt Gehalt

Ein Metall kann viel Nickel enthalten und trotzdem kaum etwas abgeben, wenn es dicht und korrosionsbeständig ist. Genau darauf zielt die Beschränkung: Für Erzeugnisse, die in unmittelbaren und längeren Kontakt mit der Haut kommen, darf die Freisetzung 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche nicht überschreiten. Für Stäbe, die in durchstochene Ohren oder andere durchstochene Körperstellen eingeführt werden, liegt die Grenze bei 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche. Geprüft wird mit einem genormten Verfahren, bei dem das Stück in einer Schweißlösung liegt.

Warum die zweite Grenze so viel strenger ist

Ein frisch gestochenes Ohrloch ist eine offene Wunde, und dort entscheidet sich, ob jemand eine Sensibilisierung entwickelt. Ist sie einmal da, bleibt sie lebenslang. Deshalb sind Erststecker der kritischste Artikel im ganzen Sortiment, und deshalb bestehen sie in seriösen Studios aus Titan, Chirurgenstahl mit belegter Freisetzung oder aus Gold mit hohem Feingehalt. Wer hier spart, riskiert nicht eine Rötung, sondern eine dauerhafte Allergie.

Wo Nickel im Schmuck überhaupt steckt

In Weißgold als Aufheller, in Edelstahl als Legierungsbestandteil, in Modeschmuck als Grundmetall unter einer dünnen Auflage. Weißgold ohne Nickel wird stattdessen mit Palladium legiert und ist teurer. Eine Rhodinierung deckt die Oberfläche ab und senkt die Freisetzung, aber nur, solange die Schicht dicht ist: Sie ist wenige Zehntel Mikrometer dünn und läuft sich an Ringen innerhalb von 12 bis 24 Monaten durch. Danach liegt die Legierung frei, und Beschwerden beginnen genau dann, oft Jahre nach dem Kauf.

Was Betroffene praktisch tun können

Fünf Materialien sind für Allergiker unkritisch: Titan, Niob, Platin, Palladium und Gold ab 585 Tausendsteln in nickelfreier Legierung. Silber mit 925 Tausendsteln ist meist unproblematisch, kann aber nickelhaltige Lote an den Verbindungsstellen tragen, und genau dort beginnt oft die Rötung. Wer unsicher ist, lässt beim Juwelier eine Röntgenfluoreszenzanalyse machen: Sie nennt die Legierung in Sekunden, ohne das Stück zu beschädigen.

Was der Verkäufer schuldet

Verkehrsfähig ist nur Ware, welche die Grenzwerte einhält. Ein Stück, das sie reißt, ist mangelhaft, und der Käufer hat die üblichen Rechte. Werbeaussagen wie nickelfrei sind eine Beschaffenheitsangabe: Wer damit wirbt und Nickel verwendet, haftet dafür, auch wenn die Freisetzung unter der Grenze bliebe. Für den Kunden ist deshalb die schriftliche Angabe der Legierung wertvoller als jedes Etikett mit Allergiehinweis.

Wenn nach dem Tragen eine scharf begrenzte Rötung genau an der Kontaktstelle auftritt, ist das der typische Befund. Klären lässt er sich beim Hautarzt mit einem Epikutantest, und erst danach lohnt der Umbau der Schmucksammlung, denn nicht jede Reizung ist eine Allergie. Ein praktischer Hinweis zur Rhodinierung: Sie ist kein dauerhafter Schutz, sondern eine Wartungsposition. Eine Auffrischung kostet je nach Stück und Betrieb grob 30 bis 80 Euro und hält bei einem täglich getragenen Ring 12 bis 24 Monate, bei einer Kette deutlich länger, weil sie weniger reibt. Wer allergisch ist, sollte sich darauf nicht verlassen, sondern das Material wechseln.

Quellen
  1. Bundesinstitut für Risikobewertung, Nickel
  2. Produktsicherheitsgesetz (Gesetze im Internet)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.