Steigt Schmuck langfristig im Wert?
Schmuck wird häufig als Wertanlage verkauft. Für den größten Teil des Sortiments stimmt das nicht, und die Gründe lassen sich benennen.
Bild: KI-erzeugtIn aller Regel nicht. Der Materialwert folgt dem Metallkurs, alles darüber verliert mit dem Kauf. Nur Sammlerstücke, gefragte Uhren und große zertifizierte Steine entwickeln einen eigenen Markt.
Warum der Ladenpreis nicht zurückkommt
Er enthält Fertigung, mehrere Handelsstufen und 19 Prozent Umsatzsteuer. Diese Anteile sind beim Wiederverkauf verloren, unabhängig davon, wie sich der Goldpreis entwickelt. Erst wenn der Metallkurs so weit gestiegen ist, dass der Materialwert allein den früheren Ladenpreis erreicht, käme man auf null. Bei einem Materialanteil von 30 Prozent müsste sich der Kurs dazu mehr als verdreifachen.
Was tatsächlich mitläuft
Der Metallwert. Wer 2005 eine schwere Kette gekauft hat, besitzt heute deutlich mehr Materialwert als damals, weil Gold gestiegen ist. Bei schlichten, schweren Stücken kann das ausreichen, um den ursprünglichen Kaufpreis wieder zu erreichen. Bei filigraner Ware mit kleinem Materialanteil reicht es nicht. Der Unterschied liegt also nicht in der Zeit, sondern im Anteil des Metalls.
Die drei Ausnahmen
Erstens gefragte mechanische Uhren bestimmter Häuser mit Papieren: Dort gibt es einen tiefen, liquiden Zweitmarkt mit eigener Preisbildung. Zweitens große zertifizierte Steine, die sich einzeln handeln lassen. Drittens signierte Sammlerstücke aus bekannten Epochen und Häusern. In diesen Fällen entsteht Nachfrage nach genau diesem Stück, und die ist die einzige Kraft, die einen Preis über den Materialwert hebt.
Was gegen die Anlageerzählung spricht
Schmuck ist nicht standardisiert, nicht teilbar, nicht schnell zu verkaufen und schwer zu bewerten. Zwischen zwei Angeboten für dasselbe Stück können 40 Prozent liegen. Es gibt keine laufenden Erträge, dafür Kosten für Versicherung und Pflege. Wer Edelmetall als Vermögensteil will, kauft Barren oder Anlagemünzen mit geringem Aufschlag und klarem Rückkaufsmarkt.
Was ein Kauf trotzdem leisten kann
Ein Stück, das über Jahrzehnte getragen wird, verteilt seinen Preis auf sehr viele Tage. Ein Trauring für 800 Euro, 30 Jahre getragen, kostet weniger als 3 Cent am Tag. Unter diesem Blickwinkel ist Schmuck kein schlechter Kauf, sondern ein langlebiger Gebrauchsgegenstand. Der Fehler liegt nicht im Kaufen, sondern im Erwarten einer Rendite.
Schwer und schlicht kaufen, weil der Materialanteil steigt. Auf bekannte Hersteller achten, weil der Name den Wiederverkauf erleichtert. Rechnungen, Zertifikate und Uhrenpapiere aufbewahren. Stücke pflegen und Fassungen kontrollieren lassen, weil beschädigte Ware nur noch nach Gewicht bewertet wird. Und auf Gravuren verzichten, wenn ein späterer Verkauf denkbar ist.
Wer diese Punkte beachtet, verliert weniger. Wer eine Anlage sucht, sollte die Vitrine verlassen und in den Bereich gehen, in dem Preise täglich notiert werden. Wer über 20 Jahre rechnet, sollte den Kaufkraftverlust einbeziehen. Ein Betrag, der 2005 bezahlt wurde, entspricht heute deutlich mehr Kaufkraft, und ein nominal gleicher Verkaufserlös wäre real ein Verlust. Metallpreise gleichen das teilweise aus, Fertigungs- und Handelsanteile nicht. Diese Rechnung fällt in fast jedem Fall gegen die Vorstellung aus, Schmuck sei ein Inflationsschutz; das ist Anlagemetall, nicht das fertige Stück. Eine eigene Wertsachenpolice kostet dabei jährlich 0,5 bis 1,5 Prozent der Summe.