Wie viel vom Kaufpreis bekommt man beim Wiederverkauf zurück?
Die Zahl überrascht fast jeden, der zum ersten Mal verkauft. Sie hat nichts mit Unseriosität zu tun, sondern damit, dass beim Kauf und beim Verkauf zwei völlig verschiedene Dinge gehandelt werden.
Bild: KI-erzeugtBei gewöhnlichem Goldschmuck meist 20 bis 35 Prozent des Ladenpreises, weil nur das Feingewicht bezahlt wird. Bei Markenuhren und großen zertifizierten Steinen liegt der Anteil deutlich höher.
Warum die Lücke so groß ist
Im Ladenpreis stecken Material, Fertigung, Handelsstufen, Ladenkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer. Beim Verkauf zählt davon nur noch das Material, denn der nächste Abnehmer will nicht Ihr Stück, sondern das Gold darin. Die Fertigung ist verbraucht, die Steuer ist beim Staat, die Handelsspanne beim Händler. Übrig bleibt das Feingewicht mal Tageskurs, abzüglich Scheidekosten und Spanne des Ankäufers, üblich sind 60 bis 85 Prozent des Materialwerts.
Die Rechnung an einem Beispiel
Ein Ring aus 585er Gold mit 8 Gramm enthält 4,68 Gramm Feingold. Bei einem Ladenpreis von 900 Euro und einem Ankaufsangebot von 70 bis 80 Prozent des Materialwerts bleiben je nach Tageskurs einige hundert Euro. Der Anteil am ursprünglichen Preis liegt damit typischerweise zwischen 20 und 35 Prozent. Bei filigraner Ware mit vielen kleinen Steinen ist er niedriger, weil die Steine nicht vergütet werden und ihr Gewicht abgezogen wird.
Wo der Anteil deutlich höher liegt
Drei Fälle. Markenuhren bekannter Häuser mit Papieren, Box und lückenlosem Serviceverlauf: Dort ist der Zweitmarkt tief und liquide. Große zertifizierte Diamanten ab etwa 1 Karat: Sie lassen sich einzeln bewerten und weiterverkaufen. Und Sammlerstücke mit Signatur eines bekannten Hauses, bei denen der Name den Preis trägt. In allen drei Fällen liegt der Anteil regelmäßig über 50 Prozent, in Ausnahmen darüber.
Wo er besonders niedrig ist
Bei Modeschmuck und vergoldeter Ware liegt er praktisch bei null, weil das aufgetragene Gold wenige Milligramm wiegt. Bei Memoire-Ringen mit vielen kleinen Steinen ebenfalls, weil das Ausfassen mehr kostet als die Steine einbringen. Und bei individuell angefertigten Stücken mit Gravur, weil sie sich nicht weiterverkaufen lassen und deshalb eingeschmolzen werden.
Wie man den besten Preis erzielt
Drei Angebote einholen, davon mindestens eines bei einer Scheideanstalt und eines bei einem Fachgeschäft. Vorher selbst wiegen und den Feingehalt notieren, damit sich die Angebote vergleichen lassen. Nach Feingehalt sortieren, nicht gemischt abgeben. Und bei Stücken mit Steinen ab etwa 0,3 Karat oder mit Herstellernamen den Verkauf als Ganzes prüfen lassen, bevor eingeschmolzen wird: Manche Stücke sind im Bestand mehr wert als im Tiegel.
Was das für die Kaufentscheidung bedeutet
Schmuck ist ein Gebrauchsgegenstand, kein Wertspeicher. Wer Metall als Anlage will, kauft Barren oder Anlagemünzen mit 2 bis 5 Prozent Aufschlag statt Schmuck mit 200 Prozent. Wer Schmuck kauft, sollte den Verlust beim Wiederverkauf von Anfang an als Preis für das Tragen verstehen. Das nimmt der späteren Bewertung ihre Bitterkeit.
Bewahren Sie Rechnungen, Zertifikate und Uhrenpapiere getrennt vom Schmuck auf. Genau diese Unterlagen sind der Unterschied zwischen einem Verkauf nach Gewicht und einem Verkauf nach Wert. Rechnung, Zertifikat und bei Uhren die Papiere heben den erzielbaren Preis deutlich, weil sie Prüfaufwand ersparen. Wer sie hat, sollte sie beim Verkaufsgespräch vorlegen, aber nicht aus der Hand geben, bevor der Preis feststeht. Ohne Unterlagen wird nach Gewicht bewertet, und das ist regelmäßig die niedrigste aller möglichen Zahlen.