Was bekommt man für alten Silberschmuck?
Silber wird beim Ankauf ganz anders behandelt als Gold, und das überrascht regelmäßig. Der Grund ist der große Unterschied im Preis je Gramm und die daraus folgende Kostenstruktur.
Bild: KI-erzeugtDen Feinsilberwert abzüglich Scheidekosten und Handelsspanne, also meist 50 bis 75 Prozent des Materialwerts. Bei 925er Silber sind das je Gramm nur wenige Cent bis wenige Euro.
Warum die Spanne größer ist als bei Gold
Die Kosten für Prüfen, Sortieren, Wiegen, Transport und Scheiden fallen je Stück an, nicht je Wert. Bei Gold verteilen sie sich auf einen hohen Materialwert, bei Silber auf einen sehr niedrigen. Deshalb liegen die Ankaufssätze bei Silber typischerweise bei 50 bis 75 Prozent des Feinsilberwerts, während sie bei Gold 60 bis 85 Prozent erreichen. Bei kleinen Mengen lehnen manche Ankäufer Silber ganz ab, weil sich der Aufwand nicht rechnet.
Wie man den Materialwert berechnet
Bruttogewicht mal Feingehalt geteilt durch 1.000 ergibt das Feingewicht, mal Kurs je Gramm Feinsilber den Materialwert. Ein Besteckteil mit 60 Gramm und 835 Tausendsteln enthält 50,1 Gramm Feinsilber. Bei mehreren Kilogramm summiert sich das durchaus, bei einer einzelnen Kette bleibt es im einstelligen Eurobereich. Genau diese Größenordnung führt zu der häufigen Enttäuschung am Tresen.
Der Klassiker: versilbert statt massiv
Auf versilbertem Besteck stehen Zahlen wie 90, 100 oder 150. Sie bezeichnen die aufgetragene Menge Feinsilber je 24 Teile, nicht den Feingehalt. Der Kern ist Neusilber, eine Kupferlegierung ohne Edelmetall. Solche Stücke haben praktisch keinen Materialwert, und der Aufwand des Scheidens lohnt erst bei großen Mengen. Wer eine Kiste Besteck erbt, sollte deshalb zuerst die Punzen sortieren, bevor er Erwartungen bildet.
Wo Silber mehr wert ist als das Metall
Bei signierten Arbeiten bekannter Silberschmiede, bei vollständigen Besteckkassetten bekannter Manufakturen in gutem Zustand, bei Jugendstil- und Art-déco-Stücken und bei Korpuswaren wie Kannen und Leuchtern mit Sammlerinteresse. Hier zahlt der Markt ein Vielfaches des Materialwerts, allerdings nur an Käufer, die das Stück suchen. Der Weg führt dann über Fachhandel, Auktion oder Kommission, nicht über den Ankauf nach Gewicht.
Was den Wert mindert
Anlaufen ist unkritisch, es lässt sich entfernen. Kritisch sind Verformungen, fehlende Teile in Serien, Monogramme und Gravuren, weil sie den Kreis der Interessenten einengen, sowie Reparaturen mit Weichlot, das sich beim Scheiden schlecht trennt. Bei Bestecken senkt jedes fehlende Teil den Wert einer Kassette überproportional, weil Vollständigkeit den Preis trägt.
Nach Feingehalt sortieren, getrennt wiegen, versilberte Ware aussondern. Zwei Angebote einholen, davon eines bei einer Scheideanstalt, die bei größeren Mengen bessere Sätze zahlt. Und vor dem Verkauf prüfen lassen, ob einzelne Stücke Sammlerwert haben, denn diese Entscheidung ist nach dem Einschmelzen nicht mehr rückgängig zu machen.
Ein praktischer Hinweis: Reinigen Sie Silber vor dem Verkauf nicht mit Schleifpaste. Sie trägt Material ab und mindert das Gewicht, ohne den Preis je Gramm zu verbessern. Ein Silbertuch oder ein Bad ohne Abrieb genügt völlig. Anlagesilber wird nach Feingewicht mit deutlich engerer Spanne gehandelt, weil kein Scheiden nötig ist. Wer also Silberbarren oder Anlagemünzen im Nachlass findet, sollte sie nicht mit dem Bruchsilber vermischen, sondern getrennt anbieten. Der Unterschied im Erlös kann erheblich sein.