de.gmbhJuwelier
Juwelier · Unterschiede

Was bedeutet rhodiniert bei Weißgold?

Fast jedes Weißgoldstück im Handel ist rhodiniert. Das ist kein Betrug, sondern eine Veredelung mit begrenzter Lebensdauer, und genau das wird beim Kauf selten gesagt.

Was bedeutet rhodiniert bei Weißgold?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Weißgold ist eine gelbliche Legierung, die mit einer dünnen Rhodiumschicht überzogen wird. Diese Schicht ist wenige Zehntel Mikrometer dick und läuft an einem täglich getragenen Ring nach 12 bis 24 Monaten durch.

Warum Weißgold nicht weiß ist

Gold ist gelb. Für Weißgold wird es mit aufhellenden Metallen legiert, früher überwiegend mit Nickel, heute im höherwertigen Bereich mit Palladium. Auch dann bleibt ein leicht gelblicher oder gräulicher Ton, der neben einem Platinstück sofort auffällt. Um das reine, kühle Weiß zu erreichen, wird galvanisch eine Schicht Rhodium aufgebracht, ein Metall aus der Platingruppe. Rhodium ist sehr hart, läuft nicht an und reflektiert stark, deshalb wirkt die Oberfläche spiegelnd hell.

Wie dünn die Schicht wirklich ist

Üblich sind 0,1 bis 0,2 Mikrometer, bei hochwertiger Ausführung bis etwa 0,5. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist rund 60 Mikrometer dick. Diese Schicht hält, solange sie nicht mechanisch abgetragen wird. An einem Ring, der täglich am Lenkrad und an Tastaturen reibt, ist das nach 12 bis 24 Monaten der Fall, zuerst an der Innenseite und an den Kanten. Ketten und Ohrringe halten deutlich länger, oft viele Jahre, weil sie kaum Reibung ausgesetzt sind.

Woran man das Durchlaufen erkennt

An einem warmen, leicht gelblichen Schimmer, der zunächst nur an einer Stelle auftritt und sich dann ausbreitet. Viele Träger halten das für Verschmutzung und putzen stärker, was den Abtrag beschleunigt. Ein zweites Zeichen ist ein Farbunterschied zwischen Ring und danebenliegendem Vorsteckring, obwohl beide gleich alt sind. Wer den Effekt kennt, ordnet ihn richtig ein, statt einen Materialfehler zu vermuten.

Was das Auffrischen kostet

Ein Ring wird gereinigt, poliert und neu rhodiniert; je nach Betrieb und Aufwand liegt der Preis grob zwischen 30 und 80 Euro. Bei gefassten Steinen ist Vorsicht nötig, denn manche Steine vertragen die Vorbehandlung nicht: Perlen, Opale, Smaragde und Bernstein gehören vorher ausgefasst oder abgedeckt. Jedes Auffrischen trägt zudem einen Hauch Material ab, weil poliert wird. Bei einem Ring, der alle 2 Jahre durch die Behandlung geht, ist das über Jahrzehnte messbar.

Die Alternative ohne Wartung

Wer die Wartung vermeiden will, hat zwei Wege. Palladiumweißgold mit gutem Weißgrad kann ohne Rhodinierung getragen werden; es wirkt etwas wärmer, verändert sich aber nicht. Oder Platin: Es ist von Natur aus weiß, läuft nicht an und bildet mit den Jahren eine matte Patina, die sich polieren lässt. Platin ist schwerer und teurer, dafür entfällt jede Nachbehandlung.

Solange die Rhodiumschicht dicht ist, gibt sie kaum Nickel frei. Läuft sie durch, liegt die Legierung frei, und bei nickelhaltigem Weißgold beginnen genau dann die Beschwerden, oft Jahre nach dem Kauf. Wer empfindlich reagiert, sollte deshalb nicht auf die Beschichtung setzen, sondern nach der Legierung fragen und im Zweifel Palladiumweißgold oder Platin wählen.

Beim Kauf lohnt eine einzige Frage: Ist das Weißgold nickelfrei legiert, und wie oft empfiehlt der Betrieb die Auffrischung? Aus der Antwort ergibt sich, ob man ein Stück kauft oder ein Stück plus eine wiederkehrende Rechnung.

Quellen
  1. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung, Nickel
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.