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Wie erkennt man einen Rubin von einem roten Spinell?

Jahrhundertelang galten beide als Rubin, und einige der berühmtesten historischen Rubine sind in Wahrheit Spinelle. Die Verwechslung ist alt, die Prüfung dagegen schnell.

Wie erkennt man einen Rubin von einem roten Spinell?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Am optischen Verhalten. Rubin ist Korund, doppelbrechend und zeigt starke Fluoreszenz. Spinell ist einfachbrechend und deshalb im Polariskop und unter dem Dichroskop eindeutig zu trennen.

Zwei verschiedene Minerale

Rubin ist die rote Varietät des Korunds, chemisch Aluminiumoxid, gefärbt durch Chrom. Er hat die Härte 9 und ist damit nach dem Diamanten das härteste verbreitete Schmuckmineral. Spinell ist Magnesium-Aluminium-Oxid, Härte 8, und kommt in vielen Farben vor, darunter ein Rot, das dem Rubin sehr nahekommt. Beide entstehen in ähnlichen geologischen Umgebungen und werden deshalb häufig in denselben Vorkommen gefunden, teils in derselben Handvoll Kies.

Der entscheidende optische Unterschied

Korund kristallisiert trigonal und ist doppelbrechend: Ein Lichtstrahl wird in zwei Strahlen mit leicht unterschiedlicher Farbe zerlegt. Unter dem Dichroskop zeigt Rubin deshalb zwei verschiedene Rottöne, je nach Blickrichtung. Spinell kristallisiert kubisch und ist einfachbrechend: Er zeigt nur einen Ton und bleibt im Polariskop bei Drehung gleichmäßig dunkel. Diese Prüfung dauert unter einer Minute, braucht keine Chemie und beschädigt nichts.

Weitere Merkmale, die helfen

Rubin fluoresziert unter langwelligem Ultraviolett meist kräftig rot, was die Farbe im Tageslicht zusätzlich zum Leuchten bringt. Spinell fluoresziert schwächer und uneinheitlich. Im Inneren zeigt Rubin häufig feine nadelförmige Einschlüsse, die bei geeigneter Lage einen Stern erzeugen können. Spinell zeigt eher oktaederförmige Einschlüsse in Reihen. Die Dichte unterscheidet sich ebenfalls, Rubin liegt bei etwa 4,0, Spinell bei etwa 3,6 Gramm je Kubikzentimeter, was bei losen Steinen messbar ist.

Warum der Preisunterschied kleiner wird

Lange galt Spinell als Rubinersatz und war entsprechend günstig. In den letzten Jahren hat er als eigenständiger Stein erheblich an Ansehen gewonnen, besonders in leuchtenden Rot- und Rosatönen. Trotzdem liegt unbehandelter Rubin in vergleichbarer Qualität weiterhin deutlich höher, vor allem weil die Nachfrage nach dem Namen groß ist. Ein wichtiger Punkt zugunsten des Spinells: Er wird in aller Regel nicht behandelt, während der ganz überwiegende Teil der Rubine erhitzt wird.

Was das für den Kauf bedeutet

Verlangen Sie die mineralogische Bezeichnung auf der Rechnung, nicht nur eine Farbangabe. Bei Rubinen ab etwa 1 Karat gehört zusätzlich die Angabe zur Behandlung dazu, denn zwischen unbehandelt und erhitzt liegt ein erheblicher Preisunterschied, und Bleiglasfüllung senkt den Wert noch einmal drastisch. Ein Laborbericht klärt beides und kostet je nach Stein 80 bis 250 Euro.

Wer ein altes Erbstück mit einem großen roten Stein besitzt, sollte vor jeder Bewertung prüfen lassen, um welches Mineral es sich handelt. Der Weg vom vermuteten Rubin zum tatsächlichen Spinell ist häufiger als umgekehrt, und beide Ergebnisse sind besser als eine Schätzung ins Blaue. Bei Rubin ist Erhitzen der Regelfall und wird akzeptiert, senkt den Preis gegenüber unbehandelter Ware aber deutlich. Deutlich kritischer ist die Bleiglasfüllung: Dabei werden Risse mit hochbrechendem Glas verfüllt, der Stein wirkt danach klarer, ist aber empfindlich gegen Hitze und Säure und beim Wiederverkauf kaum etwas wert. Solche Steine dürfen nicht einfach als Rubin bezeichnet werden, und eine Reinigung im Ultraschallbad kann sie zerstören.

Quellen
  1. § 5 UWG, Irreführende geschäftliche Handlungen (Gesetze im Internet)
  2. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.