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Wann wird ein Stein als Cabochon und wann facettiert geschliffen?

Die Schliffform ist keine Modefrage, sondern folgt den optischen Eigenschaften des Materials. Ein Stein wird so geschliffen, dass er zeigt, was er kann.

Wann wird ein Stein als Cabochon und wann facettiert geschliffen?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Facetten braucht ein Stein, der durchsichtig ist und Licht zurückwerfen soll. Der Cabochon ist glatt gewölbt und wird bei undurchsichtigen Steinen sowie bei Effekten wie Katzenauge und Stern verwendet.

Wofür Facetten da sind

Facetten sind ebene Flächen in bestimmten Winkeln. Sie sollen Licht, das durch die Oberseite eintritt, im Inneren spiegeln und wieder nach oben zurückwerfen. Das funktioniert nur bei Steinen, die klar genug sind, damit das Licht ungehindert hindurchgeht. Passen die Winkel nicht zum Brechungsindex des Materials, tritt Licht unten aus, und der Stein wirkt in der Mitte dunkel oder glasig. Deshalb hat jedes Material seine eigenen idealen Winkel, und ein Schliff, der beim Diamanten funktioniert, ist bei Quarz falsch.

Wofür der Cabochon da ist

Er ist glatt gewölbt und poliert, ohne Facetten. Bei undurchsichtigen oder stark eingeschlossenen Steinen ist er die einzige sinnvolle Form, weil Facetten dort nichts zurückwerfen könnten. Typische Cabochon-Steine sind Türkis, Lapislazuli, Opal, Malachit, Mondstein und Achat. Die gewölbte Fläche zeigt zudem Farbe und Struktur besser, weil sie das Auge über den ganzen Stein führt statt es an Kanten zu brechen.

Die optischen Effekte, die den Cabochon erzwingen

Manche Steine enthalten feine, parallel ausgerichtete Einschlüsse. Bei richtiger Ausrichtung erzeugen sie einen hellen Lichtstreifen, das Katzenauge, oder einen Stern mit sechs Strahlen, den Asterismus. Beide Effekte entstehen nur an einer gewölbten Fläche und verschwinden bei Facettenschliff. Sternsaphire und Sternrubine sind deshalb immer Cabochons, und ein facettierter Stein, der als Sternsaphir angeboten wird, kann keiner sein.

Was das für Preis und Bewertung bedeutet

Bei facettierten Steinen wird die Schliffqualität eigenständig bewertet und wirkt sich stark auf den Preis aus. Bei Cabochons zählen dagegen Wölbung, Symmetrie, Politur und die Ausrichtung eines etwaigen Effekts. Ein Cabochon aus demselben Rohmaterial kostet meist weniger als ein facettierter Stein, weil weniger Arbeit im Schliff steckt; bei Effektsteinen kehrt sich das um, denn dort ist die richtige Orientierung im Rohstein entscheidend und der Ausschuss hoch.

Fassung und Empfindlichkeit

Cabochons sitzen meist in Zargenfassungen, weil ihre runde Basis von einem Rand gehalten werden kann und weil viele dieser Steine weich sind. Türkis liegt bei Härte 5 bis 6, Opal bei 5,5 bis 6,5, Malachit bei 3,5 bis 4. Solche Steine gehören nicht in Ringe, die täglich belastet werden, und niemals ins Ultraschallbad. Facettierte harte Steine vertragen dagegen Krappenfassungen und die übliche Reinigung.

Beim Cabochon: eine gleichmäßige, nicht schiefe Wölbung, ein sauber symmetrischer Umriss und eine spiegelnde Politur ohne matte Zonen. Beim facettierten Stein: gleichmäßige Facettengrößen, Kanten, die sich in einem Punkt treffen, und keine sichtbare Zone in der Mitte, die dunkel bleibt. Beides lässt sich mit einer 10-fachen Lupe in einer Minute prüfen.

Für die Auswahl gilt: Wer Feuer und Funkeln will, braucht einen klaren Stein mit Facetten. Wer Farbe und Struktur will, ist mit dem Cabochon besser bedient, muss aber bei Härte und Pflege genauer hinsehen.

Zur Einordnung: Türkis liegt bei Härte 5 bis 6, Malachit bei 3,5 bis 4, Opal bei 5,5 bis 6,5. Alle drei gehören deshalb in Anhänger und Ohrringe, nicht in einen Ring, der 300 Tage im Jahr getragen wird. Ein Sternsaphir braucht dafür eine Wölbung, die mindestens 60 Prozent des Steindurchmessers hoch ist, und eine Politur, die den Effekt über 6 Strahlen gleichmäßig zeigt. Ein Neuschliff kostet je nach Größe 80 bis 250 Euro.

Quellen
  1. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
  2. § 5 UWG, Irreführende geschäftliche Handlungen (Gesetze im Internet)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.