Worin unterscheiden sich Quarzuhr und Automatikuhr?
Die genauere Uhr ist die günstigere, und trotzdem kosten mechanische Werke ein Vielfaches. Der Grund liegt nicht in der Technik, sondern darin, wofür man bezahlt.
Bild: KI-erzeugtDie Quarzuhr wird von einem Schwingquarz getaktet und läuft auf wenige Sekunden im Monat genau. Die Automatikuhr wird durch Armbewegung aufgezogen und weicht typischerweise einige Sekunden pro Tag ab.
Wie die Quarzuhr arbeitet
Eine Batterie legt Spannung an einen winzigen Quarzkristall, der mit 32.768 Schwingungen je Sekunde vibriert. Eine Schaltung teilt diese Frequenz herunter und erzeugt daraus einen Impuls pro Sekunde, der einen Schrittmotor antreibt. Daher der springende Sekundenzeiger. Übliche Genauigkeiten liegen bei etwa 15 Sekunden Abweichung im Monat, hochwertige Werke darunter. Eine Batterie hält je nach Werk 2 bis 3 Jahre, bei Solarwerken entfällt der Wechsel ganz.
Wie die Automatikuhr arbeitet
Eine Zugfeder speichert Energie, die über ein Räderwerk an die Unruh abgegeben wird. Die Unruh schwingt mit typischerweise 21.600 bis 36.000 Halbschwingungen je Stunde und teilt die Zeit. Aufgezogen wird die Feder durch einen Rotor, der sich mit der Armbewegung dreht. Die Gangreserve liegt meist zwischen 38 und 80 Stunden; wer die Uhr am Wochenende ablegt, findet sie am Montag oft stehen. Typische Abweichungen liegen bei 5 bis 15 Sekunden am Tag, geprüfte Chronometer bei minus 4 bis plus 6.
Was der Unterhalt kostet
Bei der Quarzuhr sind es Batteriewechsel für 10 bis 30 Euro, dazu neue Dichtungen und eine Dichtheitsprüfung, wenn die Uhr wasserdicht bleiben soll. Bei der Automatikuhr steht alle 5 bis 8 Jahre eine Revision an: Werk zerlegen, reinigen, neu ölen, Verschleißteile ersetzen, regulieren, Gehäuse abdichten. Je nach Werk und Marke liegen die Kosten zwischen 250 und weit über 1.000 Euro. Wer das nicht einplant, hat nach 15 Jahren eine Uhr, deren Instandsetzung teurer ist als ihr Wert.
Haltbarkeit über Jahrzehnte
Hier dreht sich das Bild. Ein mechanisches Werk lässt sich praktisch unbegrenzt instand setzen, weil jedes Teil nachgefertigt werden kann. Eine Quarzuhr steht und fällt mit der Verfügbarkeit ihres Werks oder einzelner elektronischer Bauteile; ist das Werk nicht mehr lieferbar, ist die Uhr wirtschaftlich am Ende. Deshalb sind alte mechanische Uhren gesuchte Sammlerstücke und alte Quarzuhren in aller Regel nicht.
Was beim Wiederverkauf zählt
Bei mechanischen Uhren bekannter Häuser können Papiere, Box und ein lückenloser Serviceverlauf einen erheblichen Teil des Preises ausmachen, verbreitet ist ein zweistelliger Prozentanteil. Bei Quarzuhren spielt das kaum eine Rolle, weil der Zweitmarkt dünn ist. Wer eine mechanische Uhr kauft und den Wiederverkauf im Blick hat, sollte deshalb jede Rechnung aufbewahren, auch die über eine Revision.
Wer Genauigkeit und Sorglosigkeit will, ist mit Quarz besser bedient, gerade bei Uhren für Sport und Reise. Wer die Mechanik selbst schätzt und den Unterhalt einplant, greift zur Automatik. Eine dritte Möglichkeit sind Handaufzugswerke ohne Rotor: Sie sind flacher, wollen aber täglich aufgezogen werden.
Praktischer Hinweis für beide: Legen Sie eine Uhr nicht auf Lautsprecher oder Magnetverschlüsse von Taschen. Magnetisierte Werke laufen plötzlich Minuten am Tag falsch, und das Entmagnetisieren dauert beim Uhrmacher wenige Minuten und kostet fast nichts.
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
- § 634a BGB, Verjährung der Mängelansprüche beim Werkvertrag (Gesetze im Internet)