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Warum geht eine Uhr plötzlich Minuten falsch?

Eine mechanische Uhr, die plötzlich mehrere Minuten am Tag vorgeht, ist selten defekt. In den meisten Fällen hat sie ein Magnetfeld abbekommen.

Warum geht eine Uhr plötzlich Minuten falsch?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Meist ist sie magnetisiert. Ein Magnetfeld verklebt die Spirale der Unruh, dadurch läuft die Uhr deutlich zu schnell. Das Entmagnetisieren dauert beim Uhrmacher Minuten und kostet fast nichts.

Was dabei passiert

Die Unruhspirale besteht bei vielen Werken aus einer Legierung, die magnetisierbar ist. Gerät sie in ein starkes Feld, ziehen sich benachbarte Windungen an und kleben aneinander. Die wirksame Länge der Spirale verkürzt sich, die Unruh schwingt schneller, und die Uhr geht vor, teils um mehrere Minuten am Tag. Umgekehrte Fälle mit Nachgang kommen ebenfalls vor, sind aber seltener.

Woher die Felder kommen

Aus Lautsprechern und Kopfhörern, aus Magnetverschlüssen an Taschen und Tablethüllen, aus Induktionskochfeldern, aus Werkzeugen mit Permanentmagneten, aus Lautsprecherboxen und aus medizinischen Geräten. Der häufigste Alltagsfall ist die Tablethülle mit Magnetverschluss, auf der die Uhr abgelegt wird. Wenige Sekunden genügen.

Wie man den Verdacht prüft

Mit einem einfachen Kompass: Nähert man ihn der Uhr und schlägt die Nadel aus oder dreht sich, ist die Uhr magnetisiert. Es gibt auch Anwendungen für das Mobiltelefon, die den Magnetsensor nutzen; sie sind weniger genau, für einen ersten Hinweis aber ausreichend. Ein Uhrmacher hat ein Messgerät und braucht dafür Sekunden.

Das Entmagnetisieren

Ein Entmagnetisierer erzeugt ein wechselndes Feld, das langsam abnimmt und die Ausrichtung der Domänen im Material aufhebt. Der Vorgang dauert Sekunden und wird meist mit einer anschließenden Gangkontrolle verbunden. Viele Betriebe berechnen dafür nichts oder einen sehr kleinen Betrag. Anschließend läuft die Uhr in aller Regel wieder im gewohnten Bereich.

Was sonst noch als Ursache infrage kommt

Ein Stoß, der die Unruhwelle beschädigt hat. Verharztes Öl nach vielen Jahren ohne Revision. Eine gebrochene Zugfeder, dann bleibt die Uhr allerdings stehen. Zu wenig Bewegung bei Automatikuhren, was zu sinkender Amplitude und ungleichmäßigem Gang führt. Wenn das Entmagnetisieren nichts bringt, ist eine Untersuchung des Werks fällig.

Uhr nicht auf Lautsprechern, Tablethüllen oder Taschen mit Magnetverschluss ablegen. Abstand zu Induktionsfeldern halten. Bei beruflichem Umgang mit starken Feldern lohnt eine Uhr mit antimagnetischem Innengehäuse oder mit einer Spirale aus einer nicht magnetisierbaren Legierung; solche Werke sind heute verbreitet und in den Angaben des Herstellers vermerkt.

Ein Gangunterschied von wenigen Sekunden am Tag ist bei mechanischen Uhren dagegen völlig normal und kein Anlass für Maßnahmen. Auffällig wird es erst bei Abweichungen im Minutenbereich, und dann ist der Kompass der erste Test. Ein Uhrmacher misst neben der Abweichung je Tag auch die Amplitude, also den Schwingungswinkel der Unruh, und den Abfallfehler. Übliche Amplituden liegen bei voll aufgezogenem Werk zwischen 270 und 310 Grad. Sinkt der Wert deutlich darunter, ist das ein Hinweis auf verharztes Öl oder Verschleiß, unabhängig davon, wie genau die Uhr gerade läuft. Diese Messung dauert wenige Minuten und ist die beste Grundlage für die Entscheidung, ob eine Revision ansteht.

Zur Einordnung: Eine magnetisierte Uhr geht häufig 30 bis 120 Sekunden am Tag vor, während eine gesunde mechanische Uhr bei 5 bis 15 Sekunden liegt. Das Entmagnetisieren dauert unter 1 Minute.

Quellen
  1. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
  2. § 634a BGB, Verjährung der Mängelansprüche beim Werkvertrag (Gesetze im Internet)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.