Was ist der Unterschied zwischen Diamant und Brillant?
Die beiden Wörter werden im Alltag wie Synonyme benutzt, und genau daraus entstehen die meisten Missverständnisse beim Kauf. Der eine Begriff beschreibt, woraus der Stein besteht, der andere, wie er geschliffen wurde.
Bild: KI-erzeugtDiamant ist das Material, Brillant eine Schliffform. Ein Brillant ist ein Diamant im runden Vollschliff mit 57 oder 58 Facetten. Jeder Brillant ist ein Diamant, aber nicht jeder Diamant ein Brillant.
Diamant ist das Mineral
Diamant ist reiner Kohlenstoff in kubischer Kristallstruktur. Er hat die Härte 10 auf der Mohsschen Skala und ist damit das härteste natürlich vorkommende Material. Das sagt nichts über Form, Farbe oder Qualität: Ein Industriediamant für ein Sägeblatt ist ebenso Diamant wie ein geschliffener Stein im Ring. In dieser Bedeutung ist Diamant eine Materialangabe, wie Gold oder Silber, und sie trifft keine Aussage über den Wert.
Brillant ist die Schliffform
Der Brillantschliff ist ein runder Vollschliff mit einer bestimmten Facettenzahl: 32 Facetten plus Tafel im Oberteil und 24 Facetten im Unterteil, zusammen 57, mit einer Kalette am unteren Ende 58. Er wurde entwickelt, um möglichst viel Licht zurück in das Auge des Betrachters zu lenken, und ist deshalb die verbreitetste Form für farblose Steine. Nach Handelsbrauch darf die Bezeichnung Brillant ohne Zusatz nur für Diamanten in genau dieser Schliffform verwendet werden. Ein Saphir in derselben Form heißt Saphir im Brillantschliff, nicht Brillant.
Die anderen Schliffe und ihre Namen
Neben dem Brillantschliff gibt es zahlreiche Formen mit eigenen Namen: Prinzess als quadratische Form mit spitzen Ecken, Baguette als schmales Rechteck mit Stufenfacetten, Navette als spitzes Oval, Tropfen, Herz, Oval, Smaragdschliff als abgestuftes Rechteck mit abgeschnittenen Ecken. Alle sind Diamanten, keiner davon ist ein Brillant. Der Preis pro Karat liegt bei diesen Formen häufig 10 bis 30 Prozent unter dem Brillantschliff, weil die Nachfrage geringer ist und beim Schleifen weniger Rohmaterial verloren geht.
Warum die Unterscheidung Geld wert ist
Wer eine Anzeige liest, in der Brillant steht, und ein Stück mit einem anderen Schliff erhält, hat einen Sachmangel vor sich, denn die Bezeichnung ist eine Beschaffenheitsangabe. Umgekehrt wird die Bezeichnung im Handel gern für Steine verwendet, die keine Diamanten sind, etwa Zirkonia im Brillantschliff. Bei billigem Modeschmuck steht dann Brillant im Text und Zirkonia im Kleingedruckten. Diese Kombination ist der Klassiker unter den irreführenden Angaben und rechtfertigt eine Beanstandung.
Was auf der Rechnung stehen sollte
Vier Angaben: die mineralogische Bezeichnung, also Diamant, die Schliffform, das Gewicht in Karat und die Angabe, ob der Stein natürlich oder im Labor gewachsen ist. Bei Steinen ab etwa 0,3 Karat kommen Farbe und Reinheit hinzu, bei Steinen ab 0,5 Karat lohnt der Laborbericht. Mit diesen Zeilen lässt sich ein Stück später versichern und verkaufen, ohne dass jemand es zuerst prüfen lassen muss.
Merken lässt sich der Unterschied an einem Satz: Diamant sagt, woraus. Brillant sagt, wie. Wer beim Kauf beide Angaben getrennt bestätigt bekommt, hat den häufigsten Streitpunkt im Steinhandel bereits ausgeräumt.
Was die Facettenzahl praktisch bedeutet
Mehr Facetten sind nicht automatisch besser. Der Brillantschliff hat sich durchgesetzt, weil seine Winkel Licht möglichst vollständig zurückwerfen; werden diese Winkel verfehlt, tritt Licht unten aus und der Stein wirkt trotz 57 Facetten glasig. Deshalb bewerten Labore den Schliff in eigenen Stufen, und diese Stufe wirkt sich stärker auf das Aussehen aus als eine Stufe bei der Farbe. Ein gut geschliffener Stein mit leicht getönter Farbe wirkt lebendiger als ein farbloser mit schlechten Proportionen.
- § 5 UWG, Irreführende geschäftliche Handlungen (Gesetze im Internet)
- § 434 BGB, Sachmangel (Gesetze im Internet)