Wie hoch ist der Goldanteil am Preis eines Schmuckstücks?
Wenn der Goldpreis steigt, erwarten viele, dass Schmuck im gleichen Maß teurer wird. Das geschieht nicht, und der Grund ist eine schlichte Anteilsrechnung.
Bild: KI-erzeugtBei filigraner Ware oft unter 20 Prozent, bei schweren schlichten Stücken 40 bis 60 Prozent. Je mehr Arbeit in einem Stück steckt, desto kleiner ist der Anteil des Metalls am Preis.
Die Bestandteile des Ladenpreises
Ein Schmuckpreis besteht aus Material, Fertigung, Handelsspanne über mehrere Stufen, Ladenkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer. Das Material ist der einzige Posten, der direkt am Metallkurs hängt. Steigt der Goldpreis um 10 Prozent und beträgt der Materialanteil 30 Prozent, steigt der Endpreis rechnerisch um 3 Prozent, sofern die anderen Posten gleich bleiben. Deshalb reagieren Ladenpreise träge und meist erst mit erheblicher Verzögerung.
Wo der Anteil hoch ist
Bei schweren, schlichten Stücken: massive Ketten, breite Reifen, glatte Trauringe. Dort steckt viel Metall und wenig Arbeit, und der Materialanteil kann 40 bis 60 Prozent erreichen. Solche Stücke sind auch beim Wiederverkauf die vergleichsweise besten, weil das Feingewicht den Preis trägt. Wer Schmuck kauft und dabei den späteren Materialwert im Blick hat, kauft schwer und schlicht.
Wo der Anteil niedrig ist
Bei filigraner Ware, bei Stücken mit vielen kleinen Steinen und bei Designerarbeiten. Ein Pavéring kann 300 Euro Material enthalten und 3.000 Euro kosten, weil das Fassen von 60 kleinen Steinen Stunden dauert. Auch bei Markenware ist der Anteil klein, weil Markenwert und Vertrieb einen erheblichen Teil ausmachen. In diesen Fällen liegt der Materialanteil oft unter 15 Prozent.
Wie man ihn selbst berechnet
Drei Zahlen genügen: Bruttogewicht in Gramm, Feingehalt in Tausendteilen, Tageskurs für 1 Gramm Feingold. Bruttogewicht mal Feingehalt geteilt durch 1.000 ergibt das Feingewicht, mal Tageskurs den Materialwert. Bei Steinbesatz muss das Steingewicht abgezogen werden, grob 0,2 Gramm je Karat. Diese Rechnung dauert eine Minute und ordnet jedes Preisschild ein.
Was das für Verhandlungen bedeutet
Der Spielraum liegt nie im Material, sondern in der Handelsspanne. Wer ein Angebot erhält, das nur wenige Prozent über dem Materialwert liegt, verhandelt in die falsche Richtung; wer ein Stück mit 15 Prozent Materialanteil vor sich hat, hat mehr Spielraum. Bei Einzelstücken und Auslaufmodellen ist er größer als bei aktueller Ware, und am Ende einer Saison größer als am Anfang.
Sie beträgt 19 Prozent und ist im Endpreis enthalten. Anders als bei Anlagegold, das nach einer eigenen Vorschrift befreit ist, gibt es für Schmuck keine Ausnahme. Beim Wiederverkauf an einen Händler bekommt der Privatverkäufer diese Steuer nicht zurück, denn sie ist beim Kauf endgültig angefallen. Das ist einer der Hauptgründe für die große Lücke zwischen Ladenpreis und Ankaufspreis.
Für die Praxis heißt das: Wer Metall als Wert will, kauft Anlageware mit 2 bis 5 Prozent Aufschlag. Wer Schmuck will, zahlt für Gestaltung und Handwerk, und das ist eine andere Rechnung mit einem anderen Ergebnis. Beim Ankauf wird ausschließlich Material bewertet, deshalb folgt der gebotene Preis dem Kurs fast unmittelbar. Beim Verkauf im Laden dauert es Monate, weil der Bestand zu alten Einstandspreisen liegt. Wer verkaufen will, profitiert damit direkt von einem hohen Kurs, wer kaufen will, spürt eine Senkung erst mit Verzögerung.
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)
- § 12 UStG, Steuersätze (Gesetze im Internet)