Woraus setzt sich der Preis einer Neuanfertigung zusammen?
Wer eine Anfertigung in Auftrag gibt, bekommt meist eine Summe genannt. Die Aufschlüsselung dahinter erklärt, warum zwei Angebote weit auseinanderliegen können.
Bild: KI-erzeugtAus Material, Arbeitszeit, Steinen, Fassarbeit und Nebenkosten wie Modell und Guss. Bei einem einfachen Ring macht das Metall oft weniger als ein Drittel des Preises aus.
Das Material
Es ist berechenbar: Gewicht in Gramm mal Feingehalt mal Tageskurs, plus ein Aufschlag für Legierungsmetalle und Verarbeitungsverluste. Ein schlichter Ring aus 750er Gold mit 6 Gramm enthält 4,5 Gramm Feingold. Bei Platin liegt der Materialanteil höher, weil das Metall schwerer und teurer ist. Wichtig: Beim Guss geht Material verloren, und der Rücklauf wird entweder angerechnet oder als Schwund berücksichtigt.
Die Arbeitszeit
Sie ist der größte Posten bei individuellen Stücken. Entwurf, Modellbau, Guss oder Handanfertigung, Verputzen, Feilen, Schleifen, Polieren: Bei einem einfachen Ring sind 3 bis 6 Stunden realistisch, bei aufwendigen Stücken deutlich mehr. Werkstattstundensätze liegen je nach Region und Betrieb grob zwischen 60 und 120 Euro. Daraus erklärt sich der größte Teil der Differenz zwischen Angeboten, nicht aus dem Materialpreis.
Steine und Fassarbeit
Der Steinpreis kommt hinzu und schwankt am stärksten. Die Fassarbeit wird getrennt berechnet: Eine einzelne Krappenfassung liegt oft bei 40 bis 100 Euro, eine Pavéfläche mit vielen kleinen Steinen deutlich darüber, weil jeder Stein einzeln gesetzt wird. Wer Steine selbst mitbringt, spart deren Preis, sollte aber wissen, dass der Betrieb dann keine Gewähr für Bruch beim Fassen übernimmt, jedenfalls nicht ohne ausdrückliche Vereinbarung.
Modell und Nebenkosten
Für Gussstücke wird ein Modell gebaut, früher in Wachs, heute häufig aus einer digitalen Zeichnung gedruckt. Dieser Posten liegt je nach Aufwand bei 50 bis 250 Euro und fällt nur einmal an; wird das Modell aufbewahrt, ist ein zweites Stück günstiger. Dazu kommen Gusskosten, Rhodinierung bei Weißgold, Gravur und gegebenenfalls ein Laborbericht für den Stein.
Warum ein Vergleich schwerfällt
Zwei Angebote über einen Ring mit einem 0,5-Karat-Stein können 2.000 Euro auseinanderliegen, ohne dass eines zu teuer ist: Die Steine unterscheiden sich in Farbe, Reinheit und Schliff, und diese Angaben stehen selten im Angebot. Verlangen Sie deshalb eine Aufschlüsselung in vier Zeilen: Metall mit Gewicht, Arbeitszeit mit Stundensatz, Stein mit vollständigen Angaben, Fassarbeit. Erst dann vergleicht man Gleiches.
Beim Modell, indem ein vorhandenes angepasst wird. Beim Stein, indem knapp unter einer runden Karatmarke gekauft wird. Bei der Gestaltung, indem auf viele kleine Zusatzsteine verzichtet wird, deren Fassarbeit teuer und deren Wiederverkaufswert null ist. Nicht sparen sollte man an der Wandstärke der Schiene und an der Fassungsart, denn beides entscheidet über die Haltbarkeit.
Vereinbaren Sie einen Festpreis für alles, was sich vorher bestimmen lässt, und eine Obergrenze für das, was erst beim Arbeiten sichtbar wird. Diese Kombination ist bei Anfertigungen der übliche und faire Weg. Bei einer individuellen Anfertigung ist eine Zwischenabnahme sinnvoll: am Wachsmodell oder am Rohguss, also vor Politur und Fassung. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich Proportionen und Breite noch ändern, danach kaum. Viele Betriebe schicken dafür Fotos. Vereinbaren Sie diesen Punkt ausdrücklich, denn ohne Zwischenabnahme sehen Sie das Stück erst fertig.
- § 631 BGB, Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag (Gesetze im Internet)
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren (Gesetze im Internet)